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Denkanstoß im Posteingang

Was Programmierer vom Gemüsehändler lernen können

Neulich bekam ich eine Mail von einem guten Freund. Gemüsehändler. Technisch interessiert. Aber kein Nerd. Fünf Jahre lang lag mir sein Fluchen im Ohr. Begonnen hatte sein Technik-Albtraum mit dem Kauf eines MDA. Es folgten diverse Smartphones des Unternehmens HTC, die allesamt mit Windows mobile liefen. Hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, hätte ich ihm nicht geglaubt. Wenn er telefonieren wollte, dauerte es mitunter 30 Minuten, bis das Handy ansprang. Es wählte wann es wollte. Wenn er etwas im Internet suchen wollte, gab er schon nach kurzer Zeit entnervt auf. Als ich ihn einmal fragte, warum er sich denn immer wieder ein Handy dieses Herstellers kaufe, antwortete er: „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das Unternehmen erneut so dreist ist, ein Nachfolgemodell auf den Markt zu bringen, das wieder nicht funktioniert.“ Er hatte sich an das Touchscreen-Display gewöhnt und all seine Daten waren zwischen Handy und Computer synchronisiert.

Was der konkrete Auslöser für ihn war, das System zu wechseln, weiß ich nicht. Vielleicht steckte er mit einem leeren Akku in einer Gletscherspalte, das Handy versagte und er wurde nur durch Zufall von einem anderen Bergsteiger gerettet. Vielleicht war es aber auch nur Neugier. Jedenfalls erreichte mich kürzlich eine Email, von der Programmierer meines Erachtens viel lernen können.

„Hallo Bastian,

ich habe es getan. Als mir neulich beim Rücken der Gemüsekisten das Handy aus der Tasche rutschte, habe ich drauf getreten. Erst sachte, dann richtig. Ich bin drauf gesprungen. Ich wollte sicher gehen, dass ich es nicht mehr gebrauchen kann. Anschließend habe ich mir das neuste iphone gekauft. Warum? Weil ich mir drei Tage davor bereits ein ipad gekauft hatte – und begeistert war. Es funktioniert. Die Geräte machen Lust, die bunte Welt des Internets völlig neu zu nutzen. Selbst das Musikhören ist irgendwie anders. Wenn ich, impulsiv wie ich bin, gerade jetzt ein Lied hören möchte, dann lade ich es einfach herunter. Zwei Klicks. Ich denke, es sind die spontanen Handlungen, die so viel Freude machen – wenn man spontan bleiben kann. Ansonsten geht es mir (…)“

Ich las diese Zeilen und hielt kurz inne. Beim ersten Betrachten nur ein neuer euphorischer Apple-Jünger. Zwischen den Zeilen gedacht wurde mir jedoch einmal mehr der Grund klar, warum dieses Unternehmen derart erfolgreich ist. Es verbindet Intuition mit Impulsen und Spontanität. Obwohl diese drei Größen individuell sind, werden die Maschinen zum Katalysator des Ich. Für uns als Softwareschmiede heißt dies, sich immer wieder nach dem Nutzen der Arbeit zu fragen –  Nach dem wirklichen Nutzen. Beim Online-Zeitungslesen mag der Nutzen auf den ersten Blick die Informationsbeschaffung sein. Auf den zweiten Blick sind es jedoch Zerstreuung, Neugier, Langeweile oder Wissensdurst. Der gute alte uses-and-gratifacations-approach aus der Kommunikationswissenschaft lässt grüßen. In diesem Sinne versuchen auch wir zu denken. Beim Thema Paywall geht es eben um mehr, als nur eine Bezahlschranke für lesenswerte Inhalte zu programmieren. Wir müssen an die Lebendigkeit von Inhalten denken. Was passiert, wenn ein Artikel bei Facebook empfohlen wird und neugierig gewordene Freude landen direkt vor der Bezahlschranke? An alles denken. Alles durchdenken. Nur gut, dass wir von ipunkt das „i“ bereits im Firmennamen tragen. Ein gutes Omen!?

Bastian Rang

Geschäftsführung
Telefon: +49 7141 5059383