Bastelstunde auf der #fpbln18: Ein digitales Geschäftsmodell für den Papierflieger

Hand aufs Herz: Wer würde Geld für einen Papierflieger ausgeben? So eine richtig schöne Bastelvorlage? Nein? Niemand? Ja, stimmt, jeder weiß doch, wie man so einen Papierflieger bastelt und es finden sićh im Netz auch kostenlose Vorlagen ohne Ende. Ein Gedanke, der für die Teilnehmenden bzw. Teilgebenden der Einstieg in den Workshop war. “Wir vermarkten einen Papierflieger! So profitieren Verlage vom Konzept der Themenplattform.”

Auch unser fiktiver Piet Publish Verlag hat ein Problem. Er hat über Jahrzehnte Geld mit Bastelvorlagen verdient — auch für Papierflieger. Der Umsatz ist allerdings eklatant eingebrochen. Der Geschäftsführer sieht zunächst keine Möglichkeit, mit kostenlosen Angeboten aus dem Netz zu konkurrieren. Wer kauft eigentlich heutzutage noch Papierflieger?

 Workshop Bastian Rang (c) Foto: Literaturtest/Sabine Felber
(c) Foto: Literaturtest/Sabine Felbe

Zur Persona: Elisa Erzieherin

Es gibt verschiedene Methoden zur Erstellung einer Perona als Mittel der Zielgruppenanalyse. Mit Hinblick auf einen eher straffen Zeitplan durften die Teilnehmenden des Workshops ihrer Fantasie einfach mal freien Lauf lassen. Mit Hilfe eines Steckbriefs  beantworteten sie die Frage, wer einen Papierflieger brauchen kann.

Herausgekommen ist unsere Persona Elisa. Elisa Erzieherin. Ihr Nachname ist gleichzeitig ihr Berufsprofil. Sie arbeitet mit kleinen Kindern und interessiert sich für Pädagogik, motorische und kognitive Förderung von Kindern sowie Basteln im Allgemeinen.

Wenn sie nach Ideen googelt, reagiert sie sehr wahrscheinlich nicht auf das Angebot des Piet Publish Verlags. Können wir das ändern? 

Themen und Kanäle zusammenführen 

Der Verlag kann das Interesse von Elisa gewinnen, indem er zur Themenplattform für ihre Interessen wird. Was interessiert Elisa beruflich, was privat? Über welche Kanäle informiert sich Elisa zu ihren Themen?

Der Verlag kann über eine Persona (in einem echten Verlag wären es idealerweise bis zu fünf) erfahren, welche Themen er übernehmen kann ohne sich zu weit von seinem Kernthema zu entfernen.

Aber stellen wir uns einmal vor, der Piet Publish Verlag baut eine Themenwelt rund um das Thema “Basteln mit Kindern” auf. Ein sehr naheliegendes Thema. Der Verlag veröffentlicht Blogbeiträge zu dem Thema, stellt kostenlose einfache Bastelvorlagen ins Netz und kann über eine Kooperation Videos einbinden, die sich ganz gezielt damit beschäftigen, Kinder zum Basteln zu animieren und eine Bastel-Resistenz zu überwinden. Das Beispiel ist ohne Frage vereinfacht und bildet nur marginal die Diskussion während des Workshops ab. Wichtig ist der Gedanke, dass sich der Verlag thematisch auf seine Zielgruppe einlässt und in den gleichen Kanälen wie diese kommuniziert. Das Marketing orientiert sich am Thema nicht am expliziten Produkt.

Jeder Verlag kann eine (oder auch mehrere) Themenplattform/en aus seiner Website machen und für jeden Verlag kann die Umsetzung anders aussehen. Die Idee kann bei einem aktiven Corporate Blog mit entsprechenden Kategorien anfangen oder sich über ein Shopsystem ziehen, das systematisch Inhalte, Kanäle sowie eigene und externe Produkte bündelt.  

Der Verlag kann so die Aufmerksamkeit seiner zukünftigen Neukundin Elisa gewinnen. Aber wie wird daraus ein digitales Geschäftsmodell? 

Primäre und Sekundäre Transaktionen 

In einer sehr lebhaften Diskussion und über verschiedene Fragerunden haben die Teilnehmenden des Workshops definiert, über welche Ressourcen und Assets der fiktive Verlag verfügt, über welche Netzwerke und welche Kanäle er bereits aktiv nutzt. Welches Problem kann Elisa haben und wie können wir dies mit unseren bestehenden Ressourcen oder denen von externen Partnern lösen?

Gut kam in der Gruppe der Gedanke an, personalisierte Papierflieger bzw. Bastelbögen anzubieten. Für Eltern mit dem Gesicht der Kinder, für Einrichtungen mit Logo, Bildern oder passend zu Festlichkeiten. Gestaltet und bestellbar in einem Online-Shop. Auf diesem Weg sind direkte, also primäre Transaktionen möglich. Begeistert man Elisa für das Produkt, wird sie vielleicht indirekt Werbeträger. 

Fast noch wichtiger ist in diesem Fall die sekundäre Transaktionsebene. Die Personalisierung, die Möglichkeit, das Produkt online zu gestalten, macht die Geschichte erst erzähl- und teilbar. In der Gruppe wurde die Möglichkeit diskutiert, dass die Kinder in einem Wettbewerb eigene Papierflieger gestalten könnten. Neben dem primären Umsatz würde der Verlag hier vor allem von dem Gewinn an Reichweite, Bekanntheit und Engagement profitieren. Für Verlage wie den Piet Publish Verlag eine ziemlich harte Währung.

Resümee

90 Minuten sind sehr sportlich, um ein derart komplexes Thema abzuarbeiten. Die sehr stark vereinfachten Methoden und ein drastisch überspitztes Beispiel haben geholfen, das Thema und die Gedanken fassbar zu machen.

Das besondere an unserem (digitalen) Geschäftsmodell ist, dass es sich nahtlos in die Themenwelt, der Schnittstelle der Themen des Verlags und der Persona, einfügt. Die Geschichte, die der Verlag erzählt ist nicht neu, nur weiter und vom Format losgelöst erzählt. Gerade kleine und mittlere Verlage verfügen über eine Vielzahl solcher Geschichten, Werke und Produkte, die sich nicht nur online verkaufen, sondern online erzählen lassen. Dieses Potenzial sollte unbedingt genutzt werden.

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